Landtagswahlen 2026: CDU fliegt erstmals aus einem Landtag – AfD gewinnt Mecklenburg-Vorpommern, Linke siegt in Berlin

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Landtagswahlen 2026: CDU fliegt erstmals aus einem LandtagAfD gewinnt Mecklenburg-Vorpommern, Linke siegt in Berlin – Die Wahlen vom 20. September 2026 haben die politischen Kräfteverhältnisse in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin deutlich verändert. Besonders hart trifft das Ergebnis die CDU: In Mecklenburg-Vorpommern scheitern die Christdemokraten an der Fünf-Prozent-Hürde und sind damit erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik nicht mehr in einem Landesparlament vertreten. Die AfD wird dort stärkste Kraft und kann ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppeln. In Berlin wiederum triumphiert Die Linke und wird erstmals stärkste Partei bei einer Abgeordnetenhauswahl.

Mecklenburg-Vorpommern: AfD mit 38,2 Prozent stärkste Kraft

Das vorläufige Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern ist eindeutig: Die AfD erreicht 38,2 Prozent der Zweitstimmen und landet damit vor der SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, die auf 35,5 Prozent kommt. 2021 hatte die AfD noch 16,7 Prozent erreicht. Damit hat sie ihren Stimmenanteil innerhalb von fünf Jahren mehr als verdoppelt.

Dahinter folgt mit deutlichem Abstand Die Linke mit 6,5 Prozent. Die Grünen schaffen mit 5,7 Prozent knapp den Wiedereinzug.

Für CDU und BSW dagegen endet der Wahlabend an der Fünf-Prozent-Hürde: Die CDU kommt lediglich auf 4,9 Prozent, das BSW auf 4,8 Prozent. Die FDP spielt mit rund 1,0 Prozent parlamentarisch ebenfalls keine Rolle mehr.

Historischer Absturz der CDU

Besonders bemerkenswert ist das Abschneiden der CDU. Noch 2021 hatte sie in Mecklenburg-Vorpommern 13,3 Prozent der Zweitstimmen erreicht. Nun bleiben ihr nur noch 4,9 Prozent.

Damit tritt etwas ein, das es in der Geschichte der Bundesrepublik bei einer Landtagswahl bislang nicht gegeben hat: Die CDU scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde und verliert sämtliche Sitze in einem Landesparlament.

Bei der vergangenen Landtagswahl verfügte die CDU noch über zwölf Mandate. Im neuen Schweriner Landtag sind es null.

Auch Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz sprach bereits am Wahlabend von einem „Desaster“. Nach dem schlechten Abschneiden der Union bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen erhöht das Ergebnis den politischen Druck auf die Bundes-CDU zusätzlich.

AfD gewinnt Wähler aus fast allen politischen Lagern

Ein genauer Blick auf die Wählerwanderung zeigt, wie breit die Zugewinne der AfD ausfallen.

Nach dem abschließenden Wanderungsmodell von infratest dimap beträgt der Saldo gegenüber der SPD rund 48.000 Wähler, gegenüber der CDU etwa 32.000, gegenüber der FDP rund 16.000 und gegenüber der Linken etwa 9.000 Stimmen.

Besonders auffällig ist jedoch die Mobilisierung aus dem bisherigen Nichtwählerlager.

Nach den aktuellen Berechnungen beträgt der positive Saldo der AfD gegenüber den Nichtwählern rund 66.000 Stimmen. Die Zahlen der Wählerwanderung sind dabei keine ausgezählten Stimmen, sondern Modellrechnungen von infratest dimap auf Basis amtlicher Statistiken, repräsentativer Befragungen und des vorläufigen Wahlergebnisses.

Damit zeigt das Ergebnis auch: Ein erheblicher Teil des AfD-Zuwachses entstand nicht allein durch Wechsel von anderen Parteien. Der Partei gelang es zugleich, Menschen zur Stimmabgabe zu bewegen, die bei der vorherigen Landtagswahl nicht gewählt hatten.

CDU verliert an AfD – aber auch an SPD

Die Wählerwanderung zeigt zugleich, dass der Absturz der CDU nicht auf einen einzigen Konkurrenten zurückgeführt werden kann.

Bereits die vorläufigen Berechnungen am Wahlabend zeigten einen Verlust von rund 28.000 CDU-Wählern an die AfD und etwa 25.000 an die SPD. In der später aktualisierten Berechnung erhöhte sich der Saldo zugunsten der AfD auf rund 32.000 Stimmen.

Die Union wurde damit von unterschiedlichen Seiten unter Druck gesetzt.

AfD bei Erstwählern besonders stark

Bemerkenswert ist außerdem das Abschneiden bei jungen Menschen. Nach den Befragungen von infratest dimap erreichte die AfD bei den Erstwählern rund 32 Prozent und lag damit vor Linken und SPD. Die CDU kam in dieser Gruppe auf lediglich rund zwei Prozent.

Auch diese Zahlen dürften die Parteien in den kommenden Wochen intensiv beschäftigen.

Wahlsieg bedeutet nicht automatisch Regierungsübernahme

Trotz ihres ersten Platzes ist keineswegs sicher, dass die AfD künftig die Landesregierung stellen wird.

Sie verfügt über keine eigene Mehrheit. Die übrigen im Landtag vertretenen Parteien haben eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen. Rechnerisch ist unter anderem eine Koalition aus SPD, Linken und Grünen möglich. Damit könnte Manuela Schwesig trotz des zweiten Platzes ihrer SPD Ministerpräsidentin bleiben.

Das Ergebnis verdeutlicht damit erneut den Unterschied zwischen Wahlsieg und Regierungsbildung: Entscheidend für die Wahl eines Ministerpräsidenten ist letztlich eine parlamentarische Mehrheit.

Berlin: Historischer Erfolg für Die Linke

Auch die zweite große Wahl des Sonntags brachte ein historisches Ergebnis.

Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus wird Die Linke mit 25,7 Prozent erstmals stärkste Kraft. Gegenüber der Wahl 2023 hat sie ihren Stimmenanteil mehr als verdoppelt.

Die CDU erreicht 18,8 Prozent und verliert damit ihre bisherige Spitzenposition.

Auf Platz drei landet die AfD mit 16,3 Prozent, gefolgt von den Grünen mit 14,3 Prozent.

Besonders schwer trifft das Ergebnis die SPD: Die traditionsreiche Berliner Regierungspartei erreicht nur noch 12,1 Prozent. Das BSW scheitert mit 4,7 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde.

Die Wahlbeteiligung stieg nach Angaben des ZDF deutlich auf 74,2 Prozent. Bei der Wiederholungswahl 2023 hatten lediglich 62,9 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.

Schwarz-Rot in Berlin ist abgewählt

Die bisherige schwarz-rote Koalition kann nicht weiterregieren. CDU und SPD kommen zusammen lediglich auf 56 der insgesamt 158 Mandate; für eine absolute Mehrheit wären 80 Sitze notwendig.

Damit stehen auch in Berlin schwierige Koalitionsverhandlungen bevor. Rechnerisch ergeben sich mehrere Möglichkeiten, wobei die Positionen und Koalitionsaussagen der Parteien darüber entscheiden werden, welches Bündnis tatsächlich zustande kommt.

Zwei Wahlen, zwei historische Ergebnisse

Der 20. September 2026 dürfte damit einen besonderen Platz in der deutschen Parteiengeschichte erhalten.

In Mecklenburg-Vorpommern wird die AfD mit 38,2 Prozent erstmals stärkste Kraft, während die CDU mit 4,9 Prozent erstmals überhaupt aus einem deutschen Landesparlament ausscheidet.

In Berlin wiederum wird Die Linke erstmals stärkste Partei bei einer Abgeordnetenhauswahl, während CDU und SPD deutliche Verluste hinnehmen müssen.

Beide Wahlergebnisse zeigen zugleich eine starke Verschiebung gegenüber den bisherigen politischen Kräfteverhältnissen. In Mecklenburg-Vorpommern profitieren insbesondere AfD und in geringerem Umfang SPD von erheblichen Wählerbewegungen, während CDU und FDP massive Verluste verzeichnen. In Berlin gewinnt vor allem Die Linke hinzu.

Wie dauerhaft diese Veränderungen sind und welche Konsequenzen die Parteien daraus auf Bundesebene ziehen, dürfte die politische Debatte der kommenden Wochen bestimmen. (hk)

Quellen: Landeswahlleitung Mecklenburg-Vorpommern, Landeswahlleiter Berlin/Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, ARD/infratest dimap, NDR, Tagesschau, ZDF, rbb

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