Koblenz – Felssicherung Rittersturz

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Felssicherung Rittersturz – Foto; Stadt Koblenz

Koblenz – Ein rund 200 Meter langes Teilstück des 100 Meter hohen Rittersturzfelshanges zwischen Laubach und Königsbach hat Standsicherheitsprobleme. Hier wurde bis 1924 ein Steinbruch betrieben und dabei eine geotektonische Gebirgsstörung aufgeschnitten, was in Folge mehrfach zu größeren Steinschlägen und Einstürzen führte.

Im Jahr 1972 musste aus diesen Gründen das oberhalb des Felshangs liegende Hotel abgebrochen werden. Weiter fortschreitende Verwitterung des anstehenden devonischen Ton- und Grauwackeschiefers, Einflüsse durch Frost-Tau-Wechsel bei dem bis in große Höhen anstehenden Hangwassers, freiliegende Gesteinsformationen, zahlreiche Felsrisse und ohnehin sehr ungünstige Kluft- und Schichtenverläufe gaben hinreichenden Anlass zur Sorge, dass insbesondere für die unten liegenden Verkehrswege DB-Strecke und Bundesstraße 9, aber auch für den oben liegenden Aussichtspunkt, Sicherheitsdefizite vorliegen. Untersuchungen und Berechnungen unterstützten diese Sorge.

Das Tiefbauamt der Stadt Koblenz erhielt daher den Auftrag, Lösungen für die dauerhafte Verkehrssicherheit zu finden und umzusetzen. Baudezernent Bert Flöck (5. v.r. auf dem Bild) unterrichtete die Fraktionen des Stadtrates darüber direkt vor Ort.

Für die Lösungen wurden verschiedene Varianten untersucht: Von einer dauerhaften Rückverankerung und Vernetzung der gesamten abgängigen Felsbereiche über den Abtrag aller vakanten Felsmassen (rund 250.000 Tonnen) bis hin zur Schaffung passiver Schutzeinrichtungen für die Verkehrswege. Da sich in den vergangenen Jahrzehnten im Bereich des Felshanges verschiedene seltene Pflanzen- und vor allem Tierarten (Uhu, Wanderfalken, Fledermäuse und Eidechsen) angesiedelt haben, war weitgehend umweltverträglichen Lösungen der Vorzug zu geben.

Entschieden wurde daher, den Felshang der weiteren natürlichen Erosion zu überlassen, aber durch die Schaffung großer Auffangräume und starker Auffangeinrichtungen die genannten Verkehrswege zu sichern, sowie oben liegende Gefährdungsbereiche gegen Zutritt zu sichern.

Zunächst wurde in den Herbstferien 2015 der gesamte Felshang von losem Gestein befreit und gefährdender Bewuchs entfernt. Dies geschah tagsüber unter Vollsperrung der Bundesstraße. Danach konnte der Felshang erstmals exakt vermessen werden. Dies erfolgte mittels Laserscans durch Drohnenbefliegung. Die Vermessungsergebnisse wurden Basis einer genauen Berechnung der Sicherheitsdefizite bzw. der nötigen Schutzeinrichtungen. In Folge wurden hinreichend große Auffangräume am Fuß des Felsens hergestellt und mit einer Pufferschicht versehen, so dass herabfallendes Gestein sicher aufgenommen werden kann. Da dies auf Dauer aber nicht ausreicht, wird derzeit noch ein vier Meter hoher schwerer Steinschlagschutzzaun über die gesamte Länge erstellt. Diese Arbeiten wurden erst im Oktober begonnen, um einem Wanderfalkenpaar die nötige Ruhe zur erfolgreichen Aufzucht ihres Nachwuchses zu ermöglichen.

Der oben gelegene Aussichtspunkt wird einige Meter zurückgesetzt; die unmittelbar am Felsrand verlaufenden Wanderwege werden gesperrt und durch Parallelwege ersetzt.

Um sicherzustellen, dass die getroffenen Maßnahmen auch in der Praxis greifen, werden Dauerprüf- und Beobachtungseinrichtungen fest installiert. Durch regelmäßige Messungen an vierzig fest installierten Messspiegeln können noch vorhandene oder neue Gefährdungspotentiale frühzeitig erkannt werden. Über offene Klüfte und Risse werden so genannte Rissspione installiert. Darüber hinaus werden zusätzliche Grundwassermessstellen eingerichtet.

Regelmäßige manuelle Felskontrollen dienen der weiteren qualifizierten Kontrolle von auch weiterhin möglichen Abgängen von Teilen des Felsens oder sonstiger Veränderungen. Ferner werden weiterhin digitale Vermessungen des Hanges vorgenommen. Die Ergebnisse dieses Felsmonitorings werden in kurzen Intervallen ausgewertet und mit vorhandenen Erkenntnissen abgeglichen. Sofern erforderlich werden weitere Hangberäumungen veranlasst, gefährdende Gesteinskörper kontrolliert zum Absturz gebracht und die nötige Größe der Auffangräume beibehalten.

Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass durch die durchgeführten baulichen und geplanten Maßnahmen die Sicherheit der unten liegenden Verkehrsräume gegeben ist. Sie bedankt sich insbesondere bei den beteiligten Naturschutz- und Umweltbehörden, den bauausführenden Fachfirmen, Prof. Dr.-Ing. Wittke und seinem Fachbüro, sowie den Verkehrsteilnehmern und Besuchern des Stadtwaldes für das Verständnis bei den Nutzungsbeeinträchtigungen während der Bauzeit.

„Die jetzt getroffenen Maßnahmen sind sowohl landschaftsschonend, weil wir auf rückverankerte Spritzbetonwände verzichten, als auch budgetschonend, weil wir 4 bis 5 Millionen Euro weniger ausgeben müssen“ fasst Baudezernent Flöck zusammen.

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Text: Stadt Koblenz

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