Stadt Wertheim – Schöne Momente bereiten trotz Corona: Einblicke in die Arbeit des Standesamts

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - WertheimWertheim (BW) – In der einen Ecke des Barocksaals im Wertheimer Rathaus stellt Holger Rempt eine Spiegelreflexkamera auf. Gegenüberliegend drapiert der Leiter des Standesamts sein Smartphone auf einem Klavier, versteckt hinter als Braut und Bräutigam verkleideten „JA“-Buchstaben. Mithilfe der Technik wird die gleich stattfindende Vermählung aus verschiedenen Winkeln festgehalten, um den Film wenigstens zu einem späteren Zeitpunkt bei einer Familienfeier zeigen zu können. „Wir machen das Beste aus der Situation“, sagt Holger Rempt.

Auch in Zeiten von Corona können Paare weiterhin heiraten. Außer dem Liebespaar und einer der städtischen Traubeamtinnen dürfen jedoch nur zwei weitere Gäste anwesend sein. Die Beschränkung auf fünf Personen lässt lang geplante Hochzeitstermine platzen. „Viele verzichten auf ihre Trauung“, stellt Holger Rempt fest. Für manche Heiratswilligen sind die Einschränkungen aber kein Problem. „Sie wollen keinen großen Aufriss.“

Noch eine Umstellung: Statt im Trauzimmer, auf der Burg oder im Kloster Bronnbach finden alle Zeremonien im Barocksaal im Rathaus statt. Der Festsaal mit der fein verzierten Stuckdecke bietet normalerweise Platz für bis zu 80 Hochzeitsgäste. Hier können die Anwesenden den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten – mit Ausnahme des Hochzeitspaars natürlich. Es sei schon eine etwas seltsame Situation, erklärt Holger Rempt, in der man aber trotzdem schöne Momente bereiten wolle.

Not macht dabei erfinderisch: Damit weitere Gäste zumindest virtuell dabei sind, haben Trauleute geplant, Freunde und Familie mit einem Laptop per Video zuzuschalten. Auch der Standesamtsleiter feilt an neuen Möglichkeiten. Traugespräche führt er per Video-Chat.

„Das Leben der Menschen geht weiter“, sagt Holger Rempt. Kein Kindergeld ohne Geburtsurkunde, keine Bestattungen ohne Totenschein: Die Arbeit im Standesamt betrifft noch weitere wichtige Bereiche der Bürgerinnen und Bürger. Sämtliche Urkunden, die die Behörde ausstellt, werden aufgrund der aktuellen Situation nur noch per Post verschickt – auch falls der Adressat „zwei Häuser weiter wohnt“, erklärt Rempt. Das erhöhe den Aufwand bei der Bearbeitung, Verzögerungen soll es trotzdem nicht geben.

Um sich und seine Mitarbeiterinnen zu schützen, arbeite man in Schichten. Kunden werden durch ein Fenster bedient, das mit einem massiven Eisengitter versehen ist. „Das hat schon Gefängnis-Charme“, schmunzelt der Leiter des Standesamts. Aber: „Wir stoßen auf sehr viel Verständnis.“

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Autor: Mittelrhein-Tageblatt Redaktion