27.06.1976: Entführung des Air-France-Flugs 139 – Die dramatische Geiselnahme von Entebbe – Am 27. Juni 1976 begann einer der spektakulärsten und dramatischsten Geiselnahmen der Nachkriegsgeschichte. Vier schwer bewaffnete Terroristen kaperten den Air-France-Flug 139 auf dem Weg von Tel Aviv nach Paris – mit dem Ziel, Gefangene freizupressen. Die Entführung endete in einem dramatischen Einsatz israelischer Spezialkräfte in Entebbe, Uganda, der bis heute weltweit als beispielhafte Antiterror-Operation gilt.
Hintergrund: Der Flug und die Entführung
Der Airbus A300 startete in Tel Aviv und machte wie geplant einen Zwischenstopp in Athen. Dort bestiegen vier Terroristen – zwei Mitglieder der palästinensischen Volksfront zur Befreiung Palästinas – Externe Operation (PFLP-EO) und zwei deutsche Linksterroristen der „Revolutionären Zellen“. Kurz nach dem Start übernahmen sie mit Waffen das Kommando über die Maschine. An Bord befanden sich 248 Passagiere und 12 Besatzungsmitglieder.
Die Entführer leiteten das Flugzeug zunächst nach Bengasi in Libyen um, wo es für mehrere Stunden am Boden blieb. Am 28. Juni zwang man die Crew, die Maschine nach Entebbe in Uganda weiterzufliegen – eine Entscheidung, die die Situation auf eine internationale Bühne hob.
Geiselnahme unter Idi Amins Schutz
Am Flughafen Entebbe, unter der Protektion des ugandischen Diktators Idi Amin, wurden die Geiseln in das alte Flughafengebäude gebracht. Die Terroristen forderten die Freilassung von insgesamt 53 Gefangenen – darunter mehrere Palästinenser in Israel und Europa – sowie fünf Millionen US-Dollar. Während ein Großteil der nicht-jüdischen Geiseln freigelassen wurde, hielten die Entführer gezielt etwa 100 jüdische und israelische Passagiere sowie das gesamte Air-France-Personal zurück.
Idi Amin präsentierte sich öffentlich als Vermittler, unterstützte in Wahrheit aber die Entführer aktiv. Seine Soldaten halfen bei der Bewachung der Geiseln und sicherten das Flughafengelände.
Israels Reaktion: Keine Verhandlungen
Die israelische Regierung stand unter enormem Druck. Öffentlich wurden diplomatische Lösungen ausgelotet – intern plante man jedoch längst eine militärische Befreiungsaktion. Unter der Leitung von Premierminister Jitzchak Rabin und Verteidigungsminister Schimon Peres arbeiteten Geheimdienste und die Eliteeinheit Sayeret Matkal an einem gewagten Plan: einer Kommandoaktion tief im afrikanischen Binnenland – über 4.000 Kilometer von Israel entfernt.
Operation Thunderbolt – Der Tag der Entscheidung
In der Nacht zum 4. Juli 1976 starteten vier israelische C-130-Transportflugzeuge mit rund 100 Elite-Soldaten, darunter medizinisches Personal und Logistikexperten. Die Flugzeuge flogen tief und unbehelligt über den afrikanischen Kontinent und landeten überraschend in Entebbe. Die Soldaten tarnten sich unter anderem mit einem schwarzen Mercedes, der Idi Amins Fahrzeug ähneln sollte, um schneller Zugang zum Terminal zu erhalten.
In einem präzise koordinierten Einsatz stürmten sie das Gebäude, töteten alle sieben Terroristen sowie mehrere ugandische Soldaten. 102 der 106 Geiseln wurden befreit. Drei Geiseln starben während der Aktion, eine weitere – Dora Bloch – wurde später in einem Krankenhaus in Kampala von ugandischen Sicherheitskräften ermordet.
Tragischerweise fiel auch der Kommandeur der Einheit, Lt.-Col. Yonatan „Yoni“ Netanyahu – der ältere Bruder des späteren Premierministers Benjamin Netanyahu – bei der Erstürmung des Gebäudes.
Rückflug und internationale Reaktionen
Die geretteten Geiseln wurden über Nairobi zurück nach Israel geflogen und dort unter großem Jubel empfangen. Die Operation – inzwischen in „Operation Yonatan“ umbenannt – ging weltweit durch die Schlagzeilen. Während Israel für die entschlossene und präzise Aktion gelobt wurde, reagierte Uganda empört und ließ seine Wut unter anderem an kenianischen Bürgern im Land aus.
Der UN-Sicherheitsrat diskutierte die rechtlichen Aspekte der Aktion, verurteilte Israel jedoch nicht. Viele westliche Länder äußerten Verständnis für das Eingreifen, einige sprachen sogar von einem Meilenstein im Kampf gegen den internationalen Terrorismus.
Fazit zur Entführung des Air-France-Flugs 139: Ein Wendepunkt im Anti-Terror-Kampf
Die Geiselnahme von Entebbe und ihre gewaltsame, aber weitgehend erfolgreiche Befreiung markierten einen Wendepunkt in der internationalen Haltung zu terroristischen Entführungen. Israels Entschlossenheit, seine Bürger mit militärischen Mitteln zu befreien – auch auf fremdem Boden – setzte ein Zeichen, das bis heute nachwirkt. Die Operation gilt als eines der bestgeplanten und mutigsten militärischen Manöver der Moderne (hk).