Mittelrhein-Tageblatt-Nachrichten-aus-Pirmasens-RLP-Pirmasens – Bereits zum Auftakt der neuen Spielzeit darf sich das Pirmasenser Publikum auf einen Höhepunkt freuen: Mit NESTROY-Preisträger Nikolaus Habjan gastiert am Samstag, 31. Oktober 2020, ein vielseitiger und gefeierter Künstler mit großer Bühnenpräsenz in der Festhalle. Unter dem markigen Motto „Ich pfeife auf die Oper“ gestaltet der 33-jährige Österreicher einen halsbrecherisch gepfiffenen Abend mit den beliebtesten Arien aus drei Jahrhunderten Opern- und Operettengeschichte.

Heute fast vergessen, entstand die Musizierform des Kunstpfeifens im 19. Jahrhundert in der österreichischen Oberschicht und war besonders in der Zeit der Brüder Schrammel sehr beliebt. Der damals wohl bekannteste Kunstpfeifer Wiens, Hans Tranquilini, genannt Baron Jean und im bürgerlichen Leben Fiaker, trat mit den Brüdern Josef und Johann Schrammel auf und wurde auch von Kronprinz Rudolf sehr geschätzt.

Nikolaus Habjan bringt einen verschütteten Schatz unserer Kultur wieder ans Licht und widmet sich mit Leidenschaft dem Kunstpfeifen. Mit schier unglaublicher Virtuosität pfeift er Koloraturen und bekannte Melodien der Operngeschichte vom Barock bis zur Romantik, die sich durch seine außergewöhnliche Interpretation völlig neu entdecken lassen. Insbesondere den tollkühnsten, herausfordernden Arien widmet sich Habjan mit großer musikalischer Freude und Leichtigkeit. Die Königen der Nacht aus Mozarts „Die Zauberflöte“ und Rosina aus Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ stehen dabei ebenso auf dem Programm wie Adele aus Johann Strauß‘ „Die Fledermaus“ oder die berühmte Arie der Olympia auf Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“. Charmant und humorvoll führt der charismatische Ausnahmekünstler mit seinem wienerischen Charme stets selbst durch das abwechslungsreiche Programm. Habjan ist ein äußerst gefragter Gast bei zahlreichen Festivals und Konzerten im In- und Ausland und zum ersten Mal in der Siebenhügelstadt zu Gast.

Das Verständnis für die Oper stärken und seine Leidenschaft für die Werke mit dem Publikum teilen – das ist unter anderem Habjans Anspruch: „Meine Philosophie ist, eine Brücke zum Publikum zu bauen. Und zwar eine Brücke zu einem opernversierten Publikum, aber genauso zu jemanden, der überhaupt nichts mit Oper am Hut hat.“

Besetzung:

Nikolaus Habjan – Kunstpfeifer, Conférencier

Ines Schüttengruber – Cembalo, Klavier

Nikolai Tunkowitsch – Violine

Marie Spaemann – Violoncello

Helmut Thomas Stippich – Akkordeon, Harmonika

Auf einen Blick:

„Ich pfeife auf die Oper“ ist der Konzertabend mit Kunstpfeifer Nikolaus Habjan und seinen musikalischen Begleitern betitelt, der zum Auftakt der neuen Spielzeit am Samstag, 31. Oktober 2020, in der Pirmasenser Festhalle zu erleben ist. Die Vorstellung beginnt um 19 Uhr. Eintrittskarten (inklusive Garderobengebühr) zum Preis zwischen 15 und 20 Euro, ermäßigt zwischen 7,50 und 12,50 Euro, sind im Vorverkauf beim Kulturamt im Rathaus am Exerzierplatz, Telefon: 06331/842352, E-Mail: kartenverkauf@pirmasens.de erhältlich. Das Kartenkontingent ist begrenzt. Eine Reservierung ist unbedingt erforderlich.

Zur Person: Nikolaus Habjan, Jahrgang 1987, ist ein Multitasker: Sein Publikum begeistert er als Puppenspieler mit gediegenem wienerischem Einschlag regelmäßig auf den Bühnen in ganz Europa. Die Figuren, die er als Puppenspieler erschafft, reichen vom sympathischen Grantler bis hin zum verbohrten Bürokraten – und das stets mit der gebotenen Prise Witz und Ironie. Dieses gewisse Augenzwinkern lebt der gebürtige Grazer, der auch erfolgreich Regie führt (Bayerische Staatsoper, Schauspielhaus Zürich, Volkstheater Wien, Schauspielhaus Graz, Residenztheater München u. v. a.), bei seiner weiteren künstlerischen Identität als Kunstpfeifer in vollen Zügen aus. „Ich pfeife auf die Oper“ lautet das Programm ­- ein Kunstpfeifer, begleitet von einer Hand voll erlesener Musiker, und das Repertoire der großen Opernbühne reichen aus, um die tollkühnsten Arien der Musikgeschichte darzubieten.

Beim Kunstpfeifen handelt es sich übrigens um eine höchst virtuose Kunstform, deren Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Eigentlich ein Phänomen der oberen Zehntausend, erlebte es seine goldene Ära zur Zeit der Wiener Schrammeln. Sogar Kronprinz Rudolf fand daran Gefallen. Das ungewöhnliche Genre blieb lange Zeit lebendig, erreichte auch die Varieté- und Kleinkunstbühnen. Die Konzerte der verstorbenen Kunstpfeiferin Baronesse Jeanette Lips von Lipstrill galten als Attraktion, die man gesehen haben musste. Als sie 2005 hochbetagt verstarb, drohte die Kunstgattung hierorts keine Nachfolge mehr zu finden. Vor ihrem Ableben hatte André Heller einen Anlauf unternommen, sich damit vertraut zu machen. Beinah konkurrenzlos nimmt nun Nikolaus Habjan das Staffelholz für eine weitere historische Etappe des Kunstpfeifens in die Hand. In einem Interview wusste der Künstler offenherzig zu berichten, dass bereits bei seinen ersten „Pfeifkonzerten“ das Publikum nach mehr verlangte.

Nikolaus Habjan – als Kunstpfeifer in einer seiner größten Rollen. Von Mozart bis hin zum Belcanto. Und eines ist gewiss: Der Mann hat Pfiff!

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Stadt Pirmasens