Rede des Oberbürgermeisters Nico Klose

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Rede des Oberbürgermeisters Nico Klose anlässlich des Festkonzerts zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2025 in der Konzertkirche Neubrandenburg – Am 3. Oktober 1990 war ich dreieinhalb Jahre alt. Ich habe weder die Pressekonferenz von Günter Schabowski ein Jahr zuvor, noch das Feuerwerk am Brandenburger Tor im Fernsehen verfolgt.

Ich kann weder berichten, was vom Begrüßungsgeld gekauft wurde, noch kann ich erzählen, wie der erste Besuch im Westen verlief.

Ich habe nicht gespürt, was dieser Tag für Millionen Menschen bedeutete.

Ich war schlicht zu jung.

Aber meine Eltern, die Mutter 23, der Vater 21 Jahre alt, haben ihn sehr wohl gespürt – mit all seiner Hoffnung, seiner Euphorie, aber auch mit der Unsicherheit, was da eigentlich auf sie zukommt.

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Meine Mutter arbeitete damals im Fernmeldeamt der Stadt. Ich erinnere mich gern daran, wie sie unzählige Stempel und Büro-Utensilien mit nach Hause brachte, mit denen ich spielen konnte.

Dass man eben nichts mehr mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz als Siegel anzufangen wusste, ahnte ich natürlich nicht.

Dafür weiß ich aber noch gut, wie ich lachte, als sie mir das erste Mal erzählte, wie sie eine Kiwi im Obstregal beim ersten Besuch West-Berlins für eine Kartoffel hielt.

Ihre Stelle schien zunächst sicher, denn als die neu gegründete „Deutsche Bundespost Telekom“ massiv in die marode Infrastruktur der DDR-Telefonnetze investierte, wurde schließlich jede Hand gebraucht. Es sollte sich jedoch noch ändern.

Mein Vater brachte auch allerhand nach Hause. Ich erinnere mich an Mützen, Koppel, Feldflaschen und Panzerhauben.

Er war als Wehrpflichtiger in Eggesin und erlebte die Eingliederung der NVA-Soldaten in die Bundeswehr. In seine Zuständigkeit fiel die sogenannte BA-Kammer – der Ort der Kaserne, an dem Kleidung und Ausrüstung an Soldaten ausgegeben wurde. Man kann sich vorstellen, dass auch dort vieles nun nicht mehr benötigt wurde. Man trug dort nun ein anderes Muster.

Und ich?

Ich gehöre damit zu einer Generation, die in der DDR geboren wurde, ohne sie bewusst erlebt zu haben. Ich gehöre zu den Kindern des Umbruchs. Zu den Kindern, deren Eltern in einer neuen Welt erwachsen wurden. Und das prägt unseren Blick auf die Deutsche Einheit in besonderer Weise – sozusagen aus der Adlerperspektive.

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Heute feiern wir 35 Jahre Deutsche Einheit in der Neubrandenburger Konzertkirche. Und dieser Ort selbst ist ein Symbol: einst in den letzten Kriegstagen zerstört, lange eine Ruine und schließlich neu belebt ist sie heute ein Raum voller Kultur, Begegnung und Zukunft. Vielleicht ist das die schönste Metapher für das, was Einheit bedeutet: Wunden heilen lassen, Brüche nicht vergessen, aber gemeinsam Neues schaffen.

Wenn wir auf 1990 zurückblicken, dann sehen wir die Kraft einer friedlichen Revolution. Die Kraft von Menschen mit der Sehnsucht nach Freiheit in den Herzen. Ihnen gebührt mein tiefster Dank und Respekt, denn nur durch sie, nur durch ihren Mut, konnten die Kinder meiner Generation in einer Demokratie aufwachsen und sie mitgestalten.

Doch ebenso gehört zur Wahrheit: Die Einheit war nicht nur Jubel.

Sie war auch ein tiefer Einschnitt. Arbeitsplätze verschwanden, Biografien brachen ab, ganze Lebenswege mussten neu gedacht werden. Und nicht wenige Familien zerbrachen an der Frage, wie man nun zum alten und zum neuen System steht.

Für viele war es eine Zeit der Entwertung, für manche gar der Demütigung – und noch heute sehen sich Menschen ihrer Lebensleistung beraubt. Dieser Wahrheit müssen wir uns stellen.

Wir müssen sie anerkennen.

Meine Eltern haben mir oft erzählt, wie sie die frühen 90er Jahre erlebt haben: Plötzlich ist alles anders, unbekannte Regeln, Unsicherheit den Beruf betreffend.

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Meine Mutter zum Beispiel hat in Sachsen, der Hochburg der DDR-Textilindustrie, den Beruf der Garn- und Zwirnherstellerin erlernt, bevor sich ihr Arbeitsalltag in der Alten Post der Neubrandenburger Innenstadt abspielte.

Wird das noch gebraucht werden?

Das Fernmeldeamt der DDR konnte damit gut leben. Die neuen Strukturen später nicht mehr.

Für meine Generation ist die Einheit selbstverständlich. Wir sind aufgewachsen mit Reisefreiheit, einem zusammenwachsenden Europa mit offenen Grenzen und mit einem demokratischen Rechtsstaat, der uns Chancen gibt.

Wir mussten nicht lernen, was Mangel bedeutet. Wir mussten nicht um Meinungsfreiheit kämpfen. Wir konnten immer, auch heute, sagen, was wir denken und fühlen – wie belanglos und sinnfrei dies auch manchmal sein mag.

Und wir alle wissen, dass gerade online häufig die am lautesten schreien, man dürfe ja nichts mehr sagen, die die sinnfreisten Dinge in die Welt posaunen.

Und doch tragen wir die Geschichten unserer Eltern in uns. Sie sind Teil unserer Identität. Wir sind so etwas wie die Übersetzer-Generation.

Wir kennen die Sehnsucht unserer Eltern nach Freiheit und Selbstverwirklichung – und wir kennen die Selbstverständlichkeit und Belanglosigkeit, in der wir heute leben.

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Aber Einheit ist keine abgeschlossene Geschichte. Sie ist eine Aufgabe, die uns fortwährend zum Handeln zwingt. Wir stehen heute, 35 Jahre später, vor neuen Herausforderungen:

– Wie wir Stadt und Land zusammenhalten und nicht gegeneinander ausspielen.

– Wie wir gleiche Chancen für alle Menschen in Ost und West sichern.

– Und wie wir eine Demokratie schützen, die unter Druck geraten ist.

Durch Populismus, durch bewusste Spaltung und oft auch durch Gleichgültigkeit und fehlender Wertschätzung.

Ein Problem speziell meiner Generation?

Für mich heißt Deutsche Einheit heute:

Vielfalt leben, Unterschiede respektieren und trotzdem zusammenhalten. Es ist weit mehr als Ost und West, was es weiterhin zu vereinen gilt. Es geht um das Funktionieren einer Gesellschaft, ja, auch einer Stadtgesellschaft, in der eben Dank unserer demokratischen Grundwerte Individualität wachsen konnte und nun einen Weg für ein respektvolles Miteinander finden muss.

Einheit hat eben immer auch eine ganz konkrete, alltägliche Dimension. Gelingt sie im Herzen, bringen wir sie auch auf die Straße.

Wir sind alle eingeladen und angehalten uns dieser Aufgabe zu stellen.

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Unsere Stadt ist heute eine Stadt, die schrumpft und sich verändert. Geplant und modernisiert als sozialistische Bezirksstadt für 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner, ringen wir heute mit den Herausforderungen des Strukturwandels.

Sie ist aber auch eine Stadt der Kultur, der Bildung und der Chancen. Eine Stadt, in der sich eine Vielzahl von Menschen engagiert und eben dadurch beweist, dass wir nach vorn schauen. Denke ich an all die Engagierten, die ich fast täglich treffen und erleben darf, bin ich zuversichtlich, dass wir als Gemeinschaft den Demokratie-Gefährdern etwas entgegensetzen können.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ohne die friedliche Revolution gäbe es keine Einheit, aber die gewonnene Demokratie gilt es zu schützen. Wir müssen uns vom selbstverständlichen Hinnehmen lösen und sie verteidigen gegen all jene, die sie verachten, missbrauchen, klein reden und ins Lächerliche zurechtbiegen.

Wir müssen sie mit Leben füllen – durch Engagement, durch Mitwirkung und gegenseitigem Respekt. Und wir müssen aufhören uns an einer Komfortzone zu klammern, die uns längst aus den Händen gleitet. Noch immer haben zu viele Menschen nicht verstanden, dass unsere Demokratie, mit all ihren Fehlern, die sie manchmal hat, mit all der Anstrengung, die sie uns abverlangt, letztlich die Grundlage für Frieden und Freiheit ist.

Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten.

Lassen Sie uns Verantwortung übernehmen.

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Lassen Sie uns nicht nur heute, am Jahrestag der Deutschen Einheit, sondern immer dafür sorgen, dass unsere Gesellschaft sich nicht verliert – dass wir uns nicht verlieren.

Einheit, meine Damen und Herren, ist kein Zustand.

Es ist viel mehr.

Es ist eine Haltung.

Ich danke Ihnen.

***
Text: Stadt Neubrandenburg

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