Stadt Braunschweig – Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit am Städtischen Museum Braunschweig

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Braunschweig -Braunschweig (NI) – Das Städtische Museum Braunschweig ist Teilnehmer am Forschungsprojekt PAESE „Provenienzforschung in außereuropäischen Sammlungen und der Ethnologie in Niedersachsen“. Das Projekt PAESE wird von der VolkswagenStiftung finanziert. Beteiligt sind neben dem Städtischen Museum Braunschweig die Landesmuseen Hannover und Oldenburg, das Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim sowie die Ethnologische Sammlung der Universität Göttingen.

Das Projekt ist im Internet unter https://www.postcolonial-provenance-research.com präsentiert und zeigt vielfältige Informationen zu den fachübergreifenden Recherchen der PAESE-Forscher.

Ziel von PAESE ist es, die Herkunft der Objekte in ethnographischen Sammlungen Niedersachsens zu erforschen und damit zur Aufarbeitung der kolonialen Geschichte an Museen beizutragen. Eine zentrale Frage ist, unter welchen legalen oder illegalen Umständen die Objekte in der Kolonialzeit erworben wurden und wie deutsche Museen heute mit ihrem kolonialen Erbe umgehen.

„Die wichtigste Grundlage für das Projekt ist für mich die Kooperation mit Wissenschaftlern aus den Herkunftsgesellschaften, die ihre Sicht auf die Objekte und ihr Wissen einbringen. Nur gemeinsam lässt sich die Kolonialzeit als gemeinsame Geschichte mit ihren Ungerechtigkeiten erforschen“, resümiert Braunschweigs Museumsdirektor Dr. Peter Joch. Im September 2019 waren für eine Woche Museumsfachleute und Wissenschaftler aus afrikanischen Ländern am Städtischen Museum Braunschweig zu Gast. Zu Besuch waren Paule-Clisthène Koudjou Dassi, Leiterin des Chefferie-Museums Batoufam in Kamerun, Prof. Albert Gouaffo von der Universität Dschang in Kamerun und Werner Hillebrecht, Vertreter der Museums Association of Namibia. Die Wissenschaftler sind die Partner des Städtischen Museums im Rahmen des Forschungsprojekts.

Seit Oktober 2019 arbeitet Isabella Bozsa als Doktorandin im Rahmen von PAESE am Städtischen Museum in Braunschweig. Sie studierte in Göttingen Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie, Tibetologie und Religionswissenschaft. Ab 2015 arbeitete sie im Museum der Kulturen in Basel. In einem Forschungsprojekt zur Sammlung Basler Mission baute sie ihr Wissen zu ethnographischen Sammlungen aus der Kolonialzeit aus.

In Braunschweig wird sie die Sammlung von Kurt Strümpell untersuchen: Strümpell war von 1900–1912 Offizier der kaiserlichen Schutztruppe in der damaligen deutschen Kolonie Kamerun und an vielen militärischen „Expeditionen“ gegen die lokale Bevölkerung beteiligt. Aus dieser Zeit brachte er zahlreiche Objekte mit, die er dem Städtischen Museum übergab. Wie seine Sammelpraxis mit der deutschen Kolonialherrschaft zusammenhing und wie die Herkunftsgemeinschaften die Objekte und ihre Herkunft einschätzen, soll nun umfassend erforscht werden. Isabella Bozsa wird auch in Kamerun recherchieren und einen lebendigen Austausch mit den afrikanischen Partnern befördern.

Das Städtische Museum, Haus am Löwenwall, ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt fünf Euro für Erwachsene, Ermäßigung (für Schüler, Studierende, Auszubildende, Menschen mit Behinderung, Rentner sowie Inhaber des „Braunschweig Passes“) 2,50 Euro. Kinder von sechs bis 16 Jahren zahlen zwei Euro. Schulklassen und Kinder bis sechs Jahren haben im Städtischen Museum freien Eintritt. Mitglieder der Freunde des Städtischen Museums Braunschweig e.V. sowie Ehrenamtliche des Städtischen Museums Braunschweig haben freien Eintritt. Das Städtische Museum ist uneingeschränkt barrierefrei.

Das Städtische Museum nimmt teil an der MuseumsCard der Braunschweiger Museen. Sie ermöglicht einmalig freien Eintritt sowie dauerhaft ermäßigten Eintritt bei Folgebesuchen für ein Jahr in den sieben größten Museen Braunschweigs. Die Museumscard kostet 22 Euro und ist auch im Städtischen Museum erhältlich. Alle Infos unter www.braunschweig.de/museumscard.

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