Weihnachtsmarkt Magdeburg abgesagt – Staat kapituliert beim Thema Sicherheit – Der Weihnachtsmarkt in Magdeburg, einer der bekanntesten und traditionsreichsten Märkte Ostdeutschlands, ist abgesagt – und das ausgerechnet an dem Tag, an dem der Gerichtsprozess gegen den Attentäter des Magdeburger Weihnachtsmarkt-Anschlags vom 20. Dezember 2024 begonnen hat. Während im Gerichtssaal die Aufarbeitung einer der schlimmsten Gewalttaten der jüngeren Stadtgeschichte startete, erreichte die Stadtverwaltung die Nachricht: Das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt untersagt vorerst die Genehmigung für den diesjährigen Weihnachtsmarkt.
Offiziell heißt es, das Sicherheitskonzept der Veranstalter genüge nicht den aktuellen Anforderungen. Doch hinter dieser nüchternen Formulierung steckt weit mehr: ein beispielloser Vertrauensverlust in die Fähigkeit staatlicher Institutionen, Sicherheit zu gewährleisten – und eine Abwälzung der Verantwortung auf private Betreiber.
Sicherheitskonzept als Stolperstein
Das Landesverwaltungsamt kritisiert in einem siebenseitigen Schreiben Mängel beim Zufahrtsschutz, bei der Zahl der eingesetzten Sicherheitskräfte und bei der allgemeinen Organisation. Besonders umstritten ist die Forderung, dass der Veranstalter auch Verantwortung für Terror- oder Amoklagen übernehmen solle – eine rechtlich wie moralisch höchst fragwürdige Erwartung.
Die Stadt Magdeburg zeigte sich empört über den Zeitpunkt und die Art der Entscheidung. Viele Auflagen seien unklar, teils widersprüchlich und kurzfristig nicht umsetzbar. Oberbürgermeisterin Simone Borris sprach von „verheerenden Folgen“ für Stadt, Händler und Besucher.
Der Staat zieht sich zurück – und lässt Bürger und Händler im Stich
Sicherheit im öffentlichen Raum ist eine staatliche Aufgabe – keine Privatleistung. Polizei, Ordnungsbehörden und Gefahrenabwehrgesetze existieren genau dafür. Doch immer häufiger werden die Kosten, Risiken und Auflagen auf Veranstalter, Schausteller und Kommunen abgewälzt.
Magdeburg wird so zum Symbol eines größeren Problems: Der Staat zieht sich aus seiner Verantwortung zurück, während Bürger und Wirtschaft die Konsequenzen tragen. Viele Schausteller haben längst in Stände, Waren und Personal investiert – und stehen nun vor dem Aus. Der Weihnachtsmarkt in Magdeburg hätte am 20. November eröffnet werden sollen. Buden, Fahrgeschäfte und alles, was zu einem Weihnachtsmarkt dazugehört, sind bereits größtenteils aufgebaut.
Symbolisch und fatal: Absage am Tag des Prozessbeginns
Dass die Absage ausgerechnet am Tag des Prozessauftakts gegen den mutmaßlichen Attentäter erfolgt, hat eine bittere Symbolik. Statt den Weihnachtsmarkt als Zeichen der Stärke und des gesellschaftlichen Zusammenhalts wiederzubeleben, entsteht der Eindruck, dass der Terror am Ende doch gesiegt hat – nicht durch Gewalt, sondern durch Angst, Bürokratie und politische Verantwortungslosigkeit.
Der Markt, der ein Ort der Hoffnung und Heilung sein sollte, wird nun zum Sinnbild staatlicher Ohnmacht.
Folgen weit über Magdeburg hinaus
Die Absage des Weihnachtsmarkts in Magdeburg ist nicht nur ein lokales Problem – sie markiert eine Entwicklung mit bundesweiter Wirkung. So haben wir vor einigen Tagen bereits berichtet, dass bereits in kleineren Gemeinden wie Overath Weihnachtsmärkte ausfallen, weil die Sicherheits- und Schutzkosten explodieren – etwa für Poller, Absperrungen und Personal.
Wenn Landesbehörden Auflagen erlassen, die faktisch jede Veranstaltung jenseits eines Großstadt-Events lahmlegen, entsteht ein fatales Signal:
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Rechts- und Planungsunsicherheit: Wenn Veranstalter in Deutschland – ob in Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt oder Bayern – nicht mehr wissen, ob sie ihre Märkte „sicher und wirtschaftlich“ organisieren können, leidet die Planungssicherheit.
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Wirtschaftlicher Schaden: Händler, Gastronomen, Hotellerie und Schausteller – nicht nur in Magdeburg – stehen vor dem Risiko, dass Engagement, Personal und Waren sich nicht mehr lohnen.
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Gesellschaftlicher Verlust: Unser Beitrag warnte bereits davor: Wenn Weihnachtsmärkte, Osterfeuer und Stadtfeste unter Beton und Bürokratie verschwinden, verlieren wir „ein Stück Heimat, ein Stück Kultur, ein Stück Identität“.
Kurzum: Wenn ein Land einen Weihnachtsmarkt nicht mehr schützen kann, ist nicht nur der Glühwein in Gefahr – sondern ein Fundament des öffentlichen Lebens.
Weihnachtsmarkt Magdeburg abgesagt Fazit: Sicherheit braucht Staat – nicht Bürokratie
Niemand bestreitet die Notwendigkeit erhöhter Sicherheitsvorkehrungen nach dem Anschlag 2024. Doch wenn ein Land es ein Jahr später nicht schafft, gemeinsam mit Stadt und Veranstalter ein tragfähiges, realisierbares Sicherheitskonzept zu entwickeln, ist das ein politisches Versagen.
Sicherheit darf nicht zum Luxus werden, den sich nur noch finanzstarke Städte leisten können. Der Schutz der Bürger ist eine Staatsaufgabe – keine Frage der Zuständigkeit oder Kostenabwälzung.
Wenn der Staat aber an einem Weihnachtsmarkt scheitert, der für Frieden, Gemeinschaft und Hoffnung steht, dann ist das kein Verwaltungsakt – sondern ein Offenbarungseid. (hk)
Quellen: Landeshauptstadt Magdeburg, Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, ZDF heute, t-online, WELT, DIE ZEIT, dpa.
UPDATE 13.11.2025: Magdeburger Weihnachtsmarkt findet nun doch statt
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