Wildtiere im Winter: Wann helfen und wann nicht – VIER PFOTEN Wildtierexpertin gibt Tipps für Igel, Eichhörnchen und Co. – Hamburg, 15. Januar 2026 – Der Winter stellt viele Wildtiere vor große Herausforderungen. Schnee und Frost erschweren die Nahrungssuche, Winterschläfer wie Igel oder Fledermäuse sind auf ihre Energiereserven angewiesen. Für uns Menschen ist es oft schwer zu erkennen, wann Eingreifen sinnvoll ist und wann es mehr schadet als nützt.
„Viele Menschen wollen helfen, aber manchmal ist weniger mehr“, sagt Eva Lindenschmidt, Diplom-Biologin und Wildtierexpertin bei VIER PFOTEN. „Gerade im Winter ist Ruhe für die Tiere entscheidend. Eingreifen sollte man nur, wenn ein Tier offensichtlich verletzt oder in akuter Gefahr ist.“
Wann ist Hilfe nötig und wann nicht
Winterschläfer wie Igel, Fledermäuse oder Amphibien dürfen nicht gestört werden. Ihre Energiereserven sind knapp kalkuliert und jede Störung kann lebensbedrohlich sein. Eine Ausnahme gilt, wenn ein Igel sichtbar im Schnee liegt oder stark untergewichtig wirkt. Alarmzeichen ist auch, wenn Igel zu dieser Jahreszeit wach sind und auf Futtersuche umherlaufen – dann wurden sie vermutlich im Winterschlaf gestört oder haben nicht genügend Reserven, um ihn zu überstehen.
Auch Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf, sondern Winterruhe. Sie kommen in der Regel allein zurecht. Eichhörnchen sollten nicht angefasst werden, wenn sie gesund wirken. Ein Tier in akuter Schwäche oder mit Verletzungen braucht jedoch Unterstützung. Das Zufüttern ist erlaubt – besonders in kalten Monaten kann es hilfreich sein, wenn natürliche Vorräte knapp werden. Geeignet sind ungesalzene Nüsse wie Hasel- oder Walnüsse, Sonnenblumenkerne sowie spezielles Eichhörnchenfutter aus dem Fachhandel.
Fledermäuse sollten niemals selbst gefüttert oder in warme Räume gebracht werden. In solchen Fällen ist es wichtig, sofort eine Fachstelle zu kontaktieren.
Erste Schritte ohne Stress für das Tier
Wenn Hilfe nötig ist, gilt Ruhe bewahren. Halten Sie Abstand und sichern Sie die Umgebung. Hunde sollten fernbleiben und laute Geräusche vermieden werden.
Transport in einem stabilen Karton mit Luftlöchern und weicher Unterlage
Handschuhe tragen, um Verletzungen und Stress zu vermeiden
Wärme durch eine Decke, keine direkte Hitzequelle
Wer darf helfen und was ist erlaubt
„Wildtiere sind gesetzlich geschützt. Sie dürfen weder behalten noch sollten sie eigenmächtig versorgt werden“, betont Eva Lindenschmidt. „Der richtige Weg ist immer, sofort Fachleute einzuschalten. Wildtierstationen oder Tierärztinnen und Tierärzte wissen genau, was zu tun ist und wie Hilfe wirklich artgemäß gelingt. Auf keinen Fall sollte man ohne Vorwissen eigenmächtig Fütterungsversuche starten.“
Handlungsempfehlungen auf einen Blick
Milch oder Brot niemals anbieten – sie sind für Wildtiere gefährlich.
Medikamente oder Hausmittel keinesfalls ohne tierärztliche Anweisung geben.
Eigenmächtige Fütterungsversuche vermeiden – falsche Nahrung kann tödlich sein.
Wildtiere nicht behalten oder eigenmächtig versorgen – das ist gesetzlich verboten.
Sofort Fachleute kontaktieren – Wildtierstation, Tierarzt oder Tierärztin einschalten.
Fazit
„Auch wenn der Wunsch zu helfen groß ist, fehlt vielen die Erfahrung im Umgang mit Wildtieren“, erklärt Eva Lindenschmidt. „Darum gilt: Im Zweifel besser Rat bei Fachleuten einholen – so ist echte Hilfe für das Tier garantiert.“
Weitere Informationen über den Einsatz von VIER PFOTEN für Wildtiere finden Sie hier.
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Text: VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz