Habeck-Film JETZT. WOHIN.: 75.000 Euro Förderung – Vetternwirtschaft? Rund um die Förderung des neuen Dokumentarfilms „JETZT. WOHIN.“ über den früheren Wirtschaftsminister Robert Habeck ist eine Diskussion entbrannt, die erneut die Frage nach persönlicher Nähe, möglicher Befangenheit und der Vergabe öffentlicher Gelder aufwirft. Klar ist: Es gibt keine Beweise für einen Fehltritt. Ebenso klar ist aber auch, dass eine bestätigte private Beziehung inmitten einer staatlichen Fördervergabe immer einen öffentlichen Erklärungsbedarf erzeugt.
Die Ausgangslage: 75.000 Euro Förderung für den Habeck-Film
Für die Dokumentation „JETZT. WOHIN.“ über Robert Habeck wurden insgesamt bis zu 177.000 Euro an öffentlichen Fördermitteln bewilligt. Darunter befinden sich 75.000 Euro von der Film- und Medienstiftung NRW. Produziert wird der Film unter anderem von Pandora Film, einem lang etablierten Produktionshaus.
Auf Nachfrage von NIUS bestätigte die Stiftung nun eine private Beziehung zwischen Christina Bentlage, Leiterin der Förderabteilung, und Christoph Friedel, einem führenden Produzenten bei Pandora Film.
Bestätigte Beziehung – aber laut Stiftung keine Einflussnahme
In einer Stellungnahme gegenüber NIUS erklärt die Film- und Medienstiftung NRW, dass die Beziehung seit Jahren bekannt sei und Bentlage nicht in den Entscheidungsprozess zur Förderung von „JETZT. WOHIN.“ eingebunden gewesen sei. Man verweist auf interne Compliance-Regeln, wonach Befangenheiten klar geregelt und ausgeschlossen würden.
Die Stiftung betont damit:
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Die Beziehung ist bekannt.
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Die Beteiligte war laut eigener Darstellung strikt ausgeschlossen.
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Die Entscheidung sei regelkonform gefallen.
Belege für eine tatsächliche Einflussnahme liegen bislang nicht vor.
Der kritische Punkt: Der Beigeschmack bleibt
Doch genau an diesem Punkt setzt die öffentliche Debatte an. Selbst wenn alle Regeln eingehalten wurden, bleibt der Eindruck bestehen, dass die Vergabe öffentlicher Gelder einen Schönheitsfehler bekommt, wenn Entscheider und Antragsteller privat verbunden sind – völlig unabhängig davon, ob die betreffende Person tatsächlich mitgewirkt hat.
Denn staatliche Förderinstitutionen müssen nicht nur korrekt arbeiten, sondern auch sichtbar unabhängig handeln. Und genau diese sichtbare Unabhängigkeit lässt sich in diesem Fall schwer vermitteln.
Viele Bürger stellen sich nun die Frage:
Würde „JETZT. WOHIN.“ auch gefördert worden sein, wenn keine private Nähe bestanden hätte?
Dass diese Frage entsteht, zeigt bereits, wie sensibel die Lage ist.
Warum der Fall politisch brisant ist
Der Habeck-Film ist kein gewöhnliches Kulturprojekt. „JETZT. WOHIN.“ porträtiert einen ehemaligen Spitzenpolitiker – noch dazu einen, dessen Ressort in den vergangenen Jahren mehrfach mit Vorwürfen der Nähe und Personalverflechtungen konfrontiert war.
Auch ohne bestätigte Unregelmäßigkeiten verstärkt die Kombination aus
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erheblichem Fördervolumen,
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bestätigter privater Beziehung
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und der politischen Bedeutung des Films den Eindruck eines möglichen Interessenkonflikts.
Die politischen Gegner haben das Thema bereits aufgegriffen – doch auch unabhängig von parteipolitischen Motiven bleibt ein legitimer Diskussionspunkt bestehen.
Fazit: Habeck-Film JETZT. WOHIN. – Vetternwirtschaft?
Die Faktenlage zeigt: Es gibt keinen Beweis für rechtswidriges Verhalten. Die Beziehung ist bestätigt, die Stiftung verweist auf Compliance-Regeln.
Doch ein Punkt bleibt bestehen:
Ein Projekt mit politischen Bezügen, öffentlichem Geld und bestätigter persönlicher Nähe erzeugt automatisch Misstrauen – selbst wenn alles formal korrekt war.
Dieser Fall zeigt eindrücklich, wie wichtig Transparenz, nachvollziehbare Verfahren und klare Abgrenzungen bei staatlichen Förderungen sind. Denn manchmal entsteht der Schaden nicht durch einen Gesetzesverstoß, sondern durch den Eindruck mangelnder Distanz. (hk)
Quellen: NIUS, Film- und Medienstiftung NRW, Pandora Film, Deutsche Filmakademie, Apollo News