Gerhart Baum ist tot – Deutschland trauert um einen der prägendsten liberalen Politiker der Nachkriegszeit: Gerhart Baum ist im Alter von 92 Jahren in der Nacht zum 15. Februar 2025 in Köln verstorben. Der langjährige FDP-Politiker und frühere Bundesinnenminister setzte sich zeit seines Lebens für Bürgerrechte, Freiheit und Demokratie ein. Sein Tod wurde von seiner Frau bestätigt.
Die genaue Todesursache von Gerhart Baum wurde nicht öffentlich bekannt gegeben. In einem Interview mit „Zeit Online“ vom 5. Januar 2025 erwähnte er jedoch, kürzlich eine schwere Krankheit überstanden zu haben. Details zu dieser Erkrankung wurden nicht genannt.
Ein Leben für die Demokratie
Gerhart Baum wurde 1932 in Dresden geboren und erlebte als Jugendlicher die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg. Diese Erfahrung prägte ihn nachhaltig und ließ ihn zu einem entschiedenen Verfechter demokratischer Grundwerte werden. Bereits 1954 trat er der FDP bei und entwickelte sich schnell zu einem der führenden Köpfe des sozialliberalen Flügels.
Als Bundesinnenminister von 1978 bis 1982 unter Kanzler Helmut Schmidt prägte er die Innenpolitik maßgeblich. In einer Zeit, die von der Bekämpfung des RAF-Terrorismus bestimmt war, setzte Baum sich entschieden für die Wahrung von Bürgerrechten ein. Er lehnte übermäßige staatliche Überwachung ab und engagierte sich für die Abschaffung des sogenannten Radikalenerlasses, der zahlreiche Berufsverbote nach sich zog.
Gerhart Baum ist tot – Sein Engagement ging weit über die Politik hinaus
Auch nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik blieb Baum eine wichtige Stimme für Bürgerrechte. Immer wieder brachte er Verfassungsbeschwerden ein, darunter erfolgreiche Klagen gegen den Großen Lauschangriff und die Vorratsdatenspeicherung. Er warnte eindringlich vor dem Abbau von Freiheitsrechten unter dem Vorwand der Sicherheit und sprach sich gegen den zunehmenden Einfluss populistischer Strömungen aus.
Sein gesellschaftliches Engagement reichte weit über die Parteipolitik hinaus. Als Autor und Redner mahnte er bis ins hohe Alter zur Wachsamkeit gegenüber demokratischen Grundwerten. Sein unermüdlicher Einsatz machte ihn zu einer der glaubwürdigsten Stimmen für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit in Deutschland.
Würdigung eines großen Liberalen
Der Tod von Gerhart Baum hat große Bestürzung ausgelöst. Bundeskanzler Olaf Scholz würdigte ihn als „großen Liberalen und engagierten Demokraten“. FDP-Chef Christian Lindner bezeichnete ihn als „eine der kräftigsten Stimmen für Freiheit, Menschenrechte und Demokratie“.
Mit Gerhart Baum verliert Deutschland einen unbeirrbaren Kämpfer für Bürgerrechte, einen Verteidiger der Demokratie und eine moralische Instanz. Sein Wirken bleibt ein Vermächtnis für künftige Generationen.
Das gesamte Redaktionsteam ist in Gedanken bei seiner Familie und seinen Freunden (hk).