Das Leben könnte so leicht sein, wenn nicht immer die größten Esel ganz oben säßen. – Manchmal fragt man sich: Warum eigentlich muss die Welt so kompliziert sein? Ein Kommentar von Holger Korsten.
Warum können wir nicht einfach in Frieden leben, Handel treiben, lachen, reisen, Kinder großziehen – ohne ständig in die Schlagzeilen zu geraten, weil irgendwo wieder ein Machtmensch beschließt, dass er mehr Einfluss, Land oder Aufmerksamkeit braucht?
Das Leben könnte so leicht sein, wenn nicht immer jene ganz oben säßen, die glauben, die Welt gehöre ihnen allein.
Da ist ein russischer Präsident, der meint, Frieden könne man mit Raketen schaffen – und Grenzen nach Lust und Laune verschieben.
Ein amerikanischer Präsident, der sich selbst für das Zentrum des Universums hält und Demokratie für eine Reality-Show begreift – und der diesmal gezeigt hat, dass er, wenn er will, tatsächlich Gutes bewirken kann: etwa mit der erfolgreichen Rückkehr der Geiseln aus dem Gazastreifen.
Und ein deutscher Regierungschef, der vor der Wahl vollmundige Versprechungen machte – Rückkehr zur Vernunftpolitik, stabile Finanzen, Asyl- und Migrationsklarheit – nur um danach eine 180-Grad-Kehrtwende hinzulegen: Rekordschulden, Asylpolitik, die augenscheinlich beliebig ihre Richtung ändert, und kaum etwas von dem, was vorher laut vollmundig angekündigt wurde.
Das Einzige, woran Friedrich Merz bisher noch (zumindest offiziell) festhält, ist die Brandmauer zur Alternative für Deutschland (AfD) – während aber die Zustimmung zur AfD weiter steigt und die alten Parteien sichtbar Boden verlieren.
Und das alles vor dem Hintergrund: In Deutschland gehen reihenweise Industrie-Arbeitsplätze verloren. Laut einer Studie seit 2019 etwa 245.500 Jobs allein in der Industrie weg – gut, das sind Daten bis 2025. (Quelle: Reuters)
Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer Phase, die manche als längste Phase ohne richtigen Aufschwung in sieben Jahrzehnten bezeichnen. (Quelle: Intereconomics)
Und währenddessen wird eine grüne Klimapolitik fortgesetzt – gegen jede Vernunft – oder ohne zumindest Fragen stellen: Warum all diese Auflagen, dieses Heizungsgesetz, die fast schon irrwitzigen Forderungen nach „Verbrenner-Aus“, wenn selbst klar ist, dass Deutschland das Weltklima nicht retten kann, selbst wenn wir morgen klimaneutral wären?
Deutschland hat zwar große Erfolge bei Erneuerbaren, aber ist weltweit nur ein Teil des Problems – und für die globale Wirkung ziemlich begrenzt. (Quelle: Europäisches Parlament)
Wer trägt die Rechnung? Die Bürger, die Industrie, der Wohlstand.
Die großen Unternehmen stehen unter Druck, die kleinen Betriebe fühlen sich abgehängt. Und die Politik tut so, als wäre das alles Teil einer heroischen Klimarettung – leider auf dem Rücken derjenigen, die ohnehin schon kämpfen.
Überall dieselbe Krankheit: Macht.
Ein Virus, das sich schneller verbreitet als jede Pandemie, ansteckend, unberechenbar und selten heilbar.
Kaum sitzt jemand oben auf dem Thron, wird aus Vernunft plötzlich Ego, aus Verantwortung Arroganz. Und aus Politik — ein Machtspiel mit globalen Folgen.
Dabei wäre vieles so einfach:
Kooperation statt Konfrontation.
Ehrlichkeit statt Eitelkeit.
Verstand statt verletztem Stolz.
Doch offenbar ist Frieden für manche zu banal, zu langweilig, zu wenig heroisch. Also schickt man lieber Panzer, baut Zäune, hält Reden über Stärke – und übersieht dabei, dass die wahren Helden längst jene sind, die einfach nur in Ruhe leben wollen.
Die Welt könnte so schön sein.
Wirklich.
Doch solange die falschen Köpfe oben sitzen, bleibt das Leben für den Rest der Menschheit ein Hindernislauf zwischen Ideologien, Intrigen und Irrsinn.
Vielleicht sollte man einmal den Mutigen, Ehrlichen und Friedfertigen die Leitern überlassen – und den anderen beim Abstieg helfen. Freundlich, aber konsequent.
Denn die Menschheit hat Besseres verdient als noch eine Runde auf dem Karussell der Eitelkeiten.
Und vielleicht sollten wir uns an Herbert Grönemeyers Worte erinnern:
„Gebt den Kindern das Kommando“ – oder, einfacher gesagt: Kinder an die Macht.
Denn schlimmer könnten sie’s wohl kaum machen.
Vielleicht würden sie sogar manches besser verstehen als jene, die seit Jahrzehnten glauben, die Welt ließe sich mit Ideologien und Machtspielen lenken.
Denn es sind unsere Kinder, deren Zukunft verspielt wird – die später die Zeche zahlen für all die Fehler, für all die neuen und alten Schulden, für die zerstörte Natur, die zerstrittene Weltgemeinschaft und den wachsenden Frust einer Generation, die nur noch das Gefühl kennt, zu kurz gekommen zu sein.
Das Leben könnte so leicht sein – wenn der Mensch endlich begreifen würde, was wirklich wichtig ist
Vielleicht wäre es tatsächlich an der Zeit, denen das Steuer zu überlassen, die noch wissen, was Hoffnung bedeutet – bevor jene, die es längst vergessen haben, auch den letzten Rest davon zerstören.
Denn kein anderes Lebewesen auf diesem Planeten würde jemals so handeln, wir wir es aktuell tun.
Es gibt kein Tier, das mutwillig sein eigenes Zuhause zerstört, seine Lebensgrundlagen vernichtet oder die Luft vergiftet, die es zum Atmen braucht.
Nur der Mensch schafft es, seine eigene Existenzgrundlage zu ruinieren – mit offenen Augen und voller Überzeugung, dabei Fortschritt zu leisten.
Wir haben nur diese eine Welt.
Und doch vermüllen wir die Meere mit Plastik, roden Wälder, als wären sie unendlich, und blasen täglich Tonnen von Abgasen in die Luft – alles im Namen von Wachstum, Bequemlichkeit und Gewinn.
Ein Tier würde niemals auf die Idee kommen, sein Nest in Brand zu setzen, nur weil es kurzfristig wärmer wird.
Der Mensch schon.
Vielleicht liegt genau darin das größte Paradox unserer Zeit:
Wir nennen uns die Krone der Schöpfung – und sind zugleich ihre größte Bedrohung:
für Tiere, Pflanzen, Ozeane – und letztlich für uns selbst.
Der Mensch kann ohne die Natur nicht existieren – doch die Natur kann ohne den Menschen besser leben als je zuvor. (hk)